Im Rahmen des interkulturellen Bildungsprogramms Erasmus+ besuchten drei AFS-Kolleg*innen eine Fortbildung in Rom zum Thema: "Interactive ITC-based, web and digital tools for an effective blended, flipped and cooperative learning".

Hintergrund der Aktion ist das Bestreben der LVR-Anna-Freud-Schule, ihre Mitarbeiter*innen unter interkulturellem Aspekt fortzubilden, strategische Schulpartnerschaften zu unterhalten, sich über bewährte Verfahren auszutauschen und innovative Ideen zu unterstützen. Wie dies konkret aussehen kann, verrät der folgende Erfahrungsbericht.


 

Erfahrungsbericht: ICT-Fortbildung

(Interactive ITC-based, web and digital tools for an effective blended, flipped and cooperative learning)

Rom 17.11 - 21.11.17

Von: Michael Buhr, Felix Jarosch, Sitah von Berchem

 

Setting der Fortbildung  

Der Workshop "Interactive ITC-based, web and digital tools for an effective blended, flipped and cooperative learning“ fand vom 17.11-21.11 in Rom statt. Veranstalter und Moderator der Fortbildung war Allessandro Gariano, der Gründer der Organisation „Enjoyitaly“. Es nahmen 23 Lehrerinnen und Lehrer aus zehn verschiedenen europäischen Ländern teil, die 15 verschiedene Fächer von Grundschule bis zum Berufskolleg vertraten. Der Kurs integrierte verschiedene Trainingsmodule: School Leadership, Non-Formal Education, ITC, Project Cycle Management sowie auch CLIL (sprachsensibler Fachunterricht). Neben einzelnen Sitzungen für die unterschiedlichen Module gab es auch immer wieder gemeinsame Abschnitte mit allen Teilnehmern. Untergebracht war die Fortbildung in einem kleinen Raum, der von einer externen Firma angemietet wurde, mit Zugang zum Internet. Alle Teilnehmer hatten eigene Tablets oder Laptops dabei, mit denen während des Kurses gearbeitet wurde.

Inhalte der Fortbildung:

  • Vorstellung der acht Schlüsselkompetenzen lebenslangen Lernens laut EU-Empfehlung
  • Vorstellung mobiler Lernarrangements zur Unterstützung des kooperativen Lernens
  • Vorstellung des „blended and flipped learning“-Konzepts
  • Vorstellung verschiedener Online-Lernplattformen (E-Learning) und interaktiven Onlinewerkzeugen

Die acht Schlüsselkompetenzen lebenslangen Lernens

Zur Einführung in den Kurs wurden acht Schlüsselkompetenzen vorgestellt, die von der EU 2009 als wichtiger Bestandteil von Bildung und lebenslangem Lernen identifiziert wurden und dementsprechend auch im europäischen Kooperationsprogramm zur schulischen Bildung und beruflicher Ausbildung umgesetzt werden sollen. Seit 2014 widmet sich Erasmus Plus in verschiedenen Programmen dieser Umsetzung. Digitale Kompetenz ist eine dieser acht Schlüsselkompetenzen.
[Vgl. http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=LEGISSUM:c11090]


Lernarrangements kooperatives Lernen/“Blended und flipped learning“

Hier lernten wir einige europäische Programme kennen, die sich mit der Umsetzung der Schlüsselkompetenzen befassen und digitale Kompetenz im Fokus haben (z.B. European Schoolnet, E-Twinning) und sahen verschiedene kurze Informationsfilme zu mobilen Lernarrangements bzw. mobilen Klassenmöbeln, die das kooperative Lernen positiv unterstützen können. Darüber hinaus wurden uns das "blended und flipped learning"-Konzept vorgestellt. „Blended learning“ ist eine Lernform, die sich aus Online-Instruktionen z.B. über Lernvideos oder Online-Lernplattformen und traditionellen Frontalphasen (face-to-face) zusammensetzt. „Flipped Learning“ (Umgedrehtes Lernen) oder auch „Flipped Classroom“ bezieht sich auf eine Lernmethode, bei der sich die SuS Lernstoff zu Hause über Onlineinstruktionen aneignen sollen, der im Unterricht dann angewandt und geübt wird.

 

Online-Lernplattformen (E-Learning) und interaktive Online-Werkzeuge

Im Folgenden möchten wir einige ausgewählte Online-Lernplattformen und -Werkzeuge detaillierter vorstellen:

 

Lernplattformen

EdModo ist eine Website zur Organisation seines Kurses/seiner Klasse. Es bietet die Möglichkeit, eine Art Online-Forum einzurichten, auf dem man mit seinen Schülern kommunizieren kann, z.B. um Klassenarbeiten zu terminieren, Hausaufgaben zu geben, Veranstaltungen anzukündigen o.Ä. Zusätzlich lassen sich auch Umfragen und Tests verschiedener Art erstellen. Die Bedienung ist recht einfach, weil sich der Aufbau der Seite an Plattformen wie Facebook oder Twitter orientiert. Dementsprechend können die Schüler EdModo ohne große Einführung nutzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Cloud-Dienste wie Dropbox und OneDrive integrierbar sind, sodass man direkt auf die dort gespeicherten Dateien zugreifen kann.

Quizlet ist ein Programm, mit dem online verschiedene sogenannte „Lernsets“ zu verschiedenen Themen und Fächern erstellt werden können. Dabei können die SuS oder die Lehrperson Karteikarten erstellen, mit denen sie Vokabeln lernen, Rechtschreibung üben, mit Spielen lernen oder ihr Wissen in verschiedenen Formen (Multiple Choice, Zuordnung) abfragen können. Nachteil des Programms ist, dass in der Gratisversion nur wenige Funktionen zur Verfügung stehen, z.B. die Ergebnisliste der SuS. Bisher gibt es das Programm nur in wenigen verschiedenen Sprachen, Deutsch gehört dazu. 

 

Videomaking-Programme

Bei dem Programm MyVideoMaker steht die audio-visuelle Präsentation eines Lerninhaltes im Vordergrund. Durch die Verknüpfung (vorher ausgewählter) zentraler Begriffe mit einem (vorgeschlagenen oder selbst hochgeladenen) Bild wird die Präsentation sehr anschaulich und der Inhalt leicht verständlich. Die Vorgehensweise ist recht simpel und selbsterklärend, sodass die SuS ohne große Vorkenntnisse mit diesem Programm arbeiten können.

In einem ersten Schritt werden die Informationen zusammengetragen, die für das Thema zentral sind. Die Wortanzahl ist dabei begrenzt, was die Vorteile mit sich bringt, dass die Ausführungen präzise und stringent formuliert werden, die SuS sich auf das Wesentliche fokussieren und ein Thema nicht ausufernd präsentieren müssen. Aufbauend darauf wählt das Programm eigenständig zentrale Begriffe aus und ordnet ihnen verschiedene Bilder zu, die den Inhalt veranschaulichen sollen. Die Vorschläge lassen sich aber individuell anpassen, d.h. Bilder können ausgetauscht oder durch eigene ersetzt, zentrale Begriffe hinzugefügt oder entfernt werden. Abschließend lassen sich noch einige kleine Einstellungen vornehmen bezüglich der Audiospur und dem Layout. Ein Nachteil des Programms ist, dass man es momentan nur auf Englisch nutzen kann (Deutsch ist zwar möglich, klingt jedoch sehr abgehackt und ist daher nicht brauchbar). Damit wird die Nutzung mindestens auf die Oberstufe beschränkt, wenn nicht sogar ausschließlich auf das Fach Englisch. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich die deutsche Sprachausgabe in naher Zukunft deutlich verbessert. Dann wäre das Programm schon ab der Mittelstufe für alle Fächer nutzbar.

 

Mindmapping-Programme (Erstellung digitaler Mind-Maps)

MindMeister ist eine Seite, auf welcher man allein oder in einer Gruppe Mindmaps kreieren kann, wobei es jedoch im Vergleich zur herkömmlichen Mindmap noch einige zusätzliche Funktionen gibt. Es kann dabei, wie die meisten der vorgestellten Anwendungen, im Internet zunächst als App umsonst heruntergeladen werden. Man kann allerdings auch direkt im Browser am Laptop an seinen Mindmaps arbeiten.  

Die Handhabung des Programms ist im Vergleich zu den anderen vorgestellten Programmen recht simpel, daher vielleicht noch am ehesten in der Schule anwendbar. Positiv wäre für den Schuleinsatz, dass die Erstellung einer Mind-Map hier mit einem verständlichen Web-Tutorial begleitet wird und die SuS so zu Beginn angeleitet werden können, bis sie selbstständig mit dem Programm arbeiten. Insbesondere die Möglichkeit, seine Mind-Map zu speichern und gemeinsam mit verschiedenen Personen daran zu arbeiten, ist sicherlich interessant für SuS, z. B. wenn es darum geht, in Gruppenarbeiten ein erstes Brain-Storming durchzuführen oder Ideen für ein längerfristiges Projekt zu sammeln, an dem auch größere Gruppen beteiligt sind (z. B. eine ganze Klasse/Stufe). Theoretisch können somit alle SuS auch von zuhause ihre Ideen mit einbringen und die Mind-Map ergänzen. Das Einladen von anderen Personen ist sehr leicht und kann per Email aber auch über diverse Plattformen wie Facebook oder Twitter erfolgen. Kritisch anzumerken bleibt bei dem Programm, dass es viel Raum für Spielereien bezüglich des Layouts lässt, womit insbesondere jüngere SuS dazu verleitet werden könnten, sich weniger auf den Inhalt als auf das Aussehen der Mind-Map zu fokussieren. Ein weiterer Nachteil dieses Programms ist, dass man in der kostenlosen Basisversion lediglich drei Mindmaps speichern und verwalten kann.



Kritik an der Fortbildung

Leider waren wir alle ein wenig enttäuscht über die didaktische und methodische Gestaltung der Fortbildung. Es waren ausnahmslos Lehrkräfte, die an dem Programm teilnahmen, doch der Schulbezug kam leider wenig bis gar nicht zur Sprache. Sicherlich gab es einige Programme, die auch Potenzial hätten, in der Schule angewendet zu werden. Doch es wäre sicherlich sinnvoller gewesen, wenn man im Kurs hätte besprechen können, inwiefern die digitalen Rahmenbedingungen gegeben sind und welche spezifischen Probleme man bei der Arbeit mit SuS berücksichtigen müsste. Leider wurde diesen Aspekten kein Raum gegeben, obwohl die Ausgangsbedingungen des Kurses bestimmt sehr interessante Diskussionen zugelassen hätten, da wir über 20 Lehrkräfte aus über zehn verschiedenen EU-Ländern waren und somit ganz unterschiedliche Erfahrungen mit digitalen Medien im Schuleinsatz mitbringen. Dieser Austausch hätte unseres Erachtens wohl mehr gebracht, um bestimmte Programme dann auch wirklich im Schulalltag einsetzen zu können. Doch der Aufbau der Fortbildung sah eher so aus, dass jedes Programm maximal 30 Minuten von jedem Teilnehmer alleine ausprobiert wurde, bevor direkt zum nächsten gesprungen wurde. So waren eine tiefere Auseinandersetzung mit den Programmen und eine abschließende Beurteilung über die Möglichkeiten im Schuleinsatz nur bedingt möglich.

Außerdem wurden die Inhalte und Zielsetzung des Workshops nicht wirklich transparent gemacht, sodass die Auswahl teilweise wahllos erschien und eine Verknüpfung zu der Einführung (wie oben beschrieben) nicht erfolgte. Auch ein versprochener Schulbesuch an ausgewählten Schulen in Rom fand leider nicht statt. Darüber hinaus waren die räumlichen Gegebenheiten mehr als spärlich (kleiner Raum, kleine Tische, keine Fenster) ausgestattet und erschwerten den kooperativen Umgang untereinander, ebenso wie ein angenehmes Lernklima.

Trotzdem haben wir insgesamt viele sehr interessante Gespräche mit anderen Teilnehmern geführt und einen Einblick bekommen, wie weit andere Länder bei der Digitalisierung ihrer Schulen sind, wobei insbesondere eine Gruppe aus Finnland von sehr guten Rahmenbedingungen berichtete, um zielführend mit digitalen Medien in der Schule arbeiten zu können.
 


 

Weiterführende Links:

Die AFS im Bildungsprogram Erasmus+

Anna weltweit unterwegs

 

Bildcredits: VBE  / AFS

Erfahrungsbericht: BUH, JAR, VBE

Text/Red.: KAP

 

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