Deckblatt des AFS-Konzepts zum Reha-Anschlus

Wir entwickeln eine Perspektive

für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer erworbenen neurologischen Beeinträchtigung in der LVR-Anna-Freud-Schule und im Dietrich-Bonhoeffer-Haus nach Abschluss einer medizinischen Rehabilitation.

 

 

 

Verantwortlich:

LVR-Anna-Freud-Schule

Schulleitung: Elke Goldschmidtböing

Alter Militärring 96
50933 Köln
Tel.: 0221/5540460
Fax: 0221/554046199
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www.annafreudschule.de

Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Bereichsleitung: Heinz Tewes

Hermann-Löns-Str. 40-42
50354 Hürth
Tel.: 02233/7998-196
Fax: 02233/7998-320
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.diakonie-michaelshoven.de






Stand: November 2018

Inhaltsverzeichnis:

  1. Präambel
  2. Intention
  3. Träger
    1. Dietrich-Bonhoeffer-Haus
    2. LVR-Anna-Freud-Schule
  4. Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen
  5. Zielsetzung
  6. Zielgruppe
  7. Ablauf der Rehaanschlussmaßnahme und Perspektiventwicklung
    1. Phase: Aufnehmen
    2. Phase: Lernen in den Bereichen Schulen, Wohnen und Alltag
      1. Lernen im Bereich Schule (LVR-Anna-Freud-Schule)
      2. Lernen im Bereich Wohnen (Dietrich Bonhoeffer-Haus)
      3. Lernen im Bereich Individueller Arbeitsförderung (PIA)
    3. Phase: Abschließen
      1. Schulische Perspektive
      2. Berufliche Perspektive
      3. Wohnperspektive
      4. Versorgung nach der Reha-Anschlussmaßnahme
  8. Eltern und Angehörigenarbeit
  9. Beteiligung weiterer Institutionen, Fachleute, Kooperationspartner
  10. Schlusswort

 

Das Konzept ist urheberrechtlich geschützt.

Sie haben lediglich das Recht zur dienstlichen Nutzung. Die Weitergabe an nicht genehmigte, externe Dritte sowie die Vervielfältigung und Veröffentlichung im www/Internet ist nicht gestattet.

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Text nur die männliche Form benutzt, gemeint sind aber immer beide Geschlechter


 

1. Präambel

Gravierende Ereignisse wie eine erworbene neurologische Beeinträchtigung schaffen plötzlich Lebensumstände, die die Betroffenen und deren Familien vor große Herausforderungen stellen. Nach der Zeit der medizinischen Rehabilitation hält für die Betroffenen oft noch eine Phase an, in denen ein seelischer Schutzmechanismus wirkt: "Ich bin zwar jetzt anders, aber ich werde nur für kurze Zeit so sein und bald völlig gesunden".

Die Chancen, nach dem Ereignis ein möglichst selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen, steigen erfahrungsgemäß erheblich, wenn die Phasen nach der medizinischen Rehabilitation fachlich und konzeptionell begleitet werden.

Dieses Konzept orientiert sich an den Empfehlungen der der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR).

s. BAR 2013 – Phase E der neurologischen Rehabilitation
s. BAR 2013 – Phase E der neurologischen Rehabilitation, S. 32

 

2. Intention

Die LVR-Anna-Freud-Schule und das Dietrich-Bonhoeffer-Haus stellen in der Anschlussphase unmittelbar nach der medizinischen Rehabilitation (Phase E ) mit einem überregionalen Lern- und Wohnangebot die Kooperation "zwischen dem betroffenen Menschen, seinem sozialen Netz und seinen Behandlern für die teilhabeorientierte Rehabilitation".
Das Angebot dient der Standortbestimmung und der Perspektivfindung nach einer erworbenen Beeinträchtigung und leitet über in die Rehabilitationsphasen im Sozialraum des betroffenen Menschen.
So kann drohenden Brüchen in der Teilhabeplanung zwischen den Rehabilitationsphasen wirksam entgegengewirkt werden.

Bereits in den zurückliegenden Jahren hat das Dietrich-Bonhoeffer-Haus gemeinsam mit der LVR-Anna-Freud-Schule Jugendliche unmittelbar nach dem Aufenthalt in einer Rehaklinik (nach Schädel-Hirn-Trauma, Halsquerschnittslähmung oder Beeinträchtigung durch Hirntumor) pflegerisch, therapeutisch und sonder-/heilpädagogisch begleitet.

Im Rahmen einer prozessorientierten Inklusion und mit den gemeinsamen Ressourcen der beiden Träger werden Leistungen und Maßnahmen erbracht zur:

 

3. Träger

3.1 Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus bietet ein schulbegleitendes Wohn- und Förderangebot für  Schüler überwiegend der LVR-Anna-Freud-Schule und auch andere Schulen im Sozial-raum Hürth/ Köln.
27 Schüler*innen nutzen das sogenannte 5-Tage-Angebot (montags-freitags, an den Wochenenden und in den Ferien zuhause). Die Familienbezüge bleiben erhalten, Eltern werden entlastet.
6 weitere Schüler nutzen das vollstationäre Wohnangebot mit einer Tagesstruktur.

Folgende Leitziele der konzeptionellen Arbeit orientieren sich an den Lebensbereichen des individuellen Hilfe-/Teilhabeplanes:

  • Wohnen als ein Lernfeld, das die ressourcenorientierte Entwicklung einer möglichst selbstbestimmten Wohnperspektive nach der Schulausbildung ermöglicht
  • Individuell zugeschnittenes Verselbstständigungskonzept in drei Stufen:
    • Einstiegsgruppen
    • Vorbereitungsgruppe für die Trainingswohnung
    • Leben in einer Verselbstständigungswohnung
  • Erreichen der Schulziele durch außerschulische Unterstützung (Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe)
  • Entwickeln von Freizeitinteressen und Hinführung zu selbstgestalteter Freizeit
  • Gestaltung sozialer Beziehungen – Erwerb von Kompetenzen wie die Auseinandersetzung und Verarbeitung der eigenen Behinderung, Akzeptanz der Behinderung, emotionale Intelligenz durch wertschätzendes und positiv verstärkendes Verhalten der pädagogisch Handelnden
  • Hilfen zur Bewältigung von Konflikten und Krisen
  • Förderung von Handlungskompetenzen wie Wahrnehmung, Aufbau, Erhalt und Weiterentwicklung der Kommunikationsfähigkeit (ggf. unterstützte Kommunikation)
  • Schulung des Umgangs mit unterstützenden Medien und Hilfsmitteln
  • Sicherstellung der Pflegebedarfe durch gleichgeschlechtliche Pflege
  • Hinführung zur größtmöglichen Übernahme der eigenen Pflegebedarfe
  • Entwicklung einer realistischen Wohn- und Berufsperspektive für die Zeit nach der Schule (Kooperation mit externen Anbietern)
  • Partizipation am Leben im Internat und am Leben im neu erworbenen Sozialraum

 

Mitarbeiter

Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus arbeiten Mitarbeiter vernetzt in einem multiprofessionellen Team.

  • Pädagogische Fachkräfte (Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger und Erzieher)
  • Pflegerische Fachkräfte (Krankenpfleger)
  • Mitarbeiter im Freiwilligendienst
  • Verwaltungskräfte
  • Mitarbeiter Gebäudeservice
  • Hauswirtschaftskräfte

 Weitere Informationen...

 

3.2 LVR-Anna-Freud-Schule

Die LVR-Anna-Freud-Schule ist in ihrem Profil als Förderschule für Körperliche und motorische Entwicklung im Bildungsbereich der Sekundarstufe I und II beinahe einzigartig in Deutschland. Als einzige weiterführende Förderschule für Körperbehinderte in NRW unterrichtet sie in der Sekundarstufe I vorwiegend nach Realschulrichtlinien und in der Sekundarstufe II nach den Richtlinien der gymnasialen Oberstufe.

Bereits seit 1988 beschult die LVR-Anna-Freud-Schule nichtbehinderte und behinderte Schüler inklusiv und zielgleich. Die Besonderheit dabei:
Der Anteil der von einer Behinderung oder chronischen Krankheit betroffenen Schüler ist größer als der Anteil der nichtbehinderten Schüler (Verhältnis ca. 2:1). Damit wird eine "umgekehrte Inklusion" praktiziert. Beeinträchtigte Schüler erleben hier ihre Behinderung nicht mehr als belastende Besonderheit in der Minderheit. An der LVR-Anna-Freud-Schule steht ihre Persönlichkeit und nicht ihre Behinderung im Vordergrund, ohne diese zu negieren. Die Schüler lernen von anderen Schülern und unterstützt von Lehrern und Mitarbei-tern, wie sie mit Beeinträchtigung umgehen, sie integrieren können. Die positive Auseinandersetzung mit den durch Krankheit und Behinderung verbundenen Lebensschwierigkeiten, das Respektieren und Annehmen von menschlichen Unterschieden anstelle von Versuchen des "Angleichens" oder "Gleichmachens" sowie das Leben und Erleben von Erfolg und Misserfolg auf Augenhöhe bei Berücksichtigung der bekannten breiten Spanne an individuellen Lern- und Lebensvoraussetzungen sind bereits integraler Bestandteil unseres Schulalltages.

Dies schafft eine neue Qualität von Normalität, wie sie z.B. von Schülern, die von einer integrativen Beschulung an einer Regelschule zur LVR-Anna-Freud-Schule uns wechseln, nach eigener Aussage zuvor nicht erlebt wurde.
Die positiven Erfahrungen haben die LVR-Anna-Freud-Schule dazu bewogen, im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der städtischen Ernst-Simons-Realschule das erfolgreiche Konzept der Sekundarstufe II auf die Sekundarstufe I zu übertragen, d.h. auch ab der 5. Klasse Schüler ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf aufzunehmen und damit auch hier die Idee der Inklusion umzusetzen.

 

Mitarbeiter

An der LVR-Anna-Freud-Schule arbeiten Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen und Qualifikationen zusammen.

Dazu gehören:

  • Lehrer mit der Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II; mehr als die Hälfte von ihnen sind zudem ausgebildete Förderschullehrer
  • Fachlehrer an Förderschulen, Diplom-Sozialpädagogen und Sozialarbeiter in den Klassenteams
  • Eine Schulpsychologin, die in der psychologischen Schulambulanz den Bereich psychologische und psychotherapeutische Beratung und Diagnostik betreut
  • Ein Kollege, der für den Bereich der Autismusberatung und -betreuung zuständig ist
  • Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden mit unterschiedlichsten Schwerpunkten
  • Examinierte Pflegekräfte
  • Mitarbeiter im Freiwilligendienst
  • Verwaltungsangestellte im Sekretariat
  • Ein Hausmeister und ein Haustechniker
  • Hauswirtschaftsmitarbeiterinnen

 

4. Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen

Eingliederungshilfe gem. SGB VIII  § 35 a, Bundesteilhabegesetz, SGB IX (neu) und gemäß SGB XII/§ 53 ff
Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke (Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung – AO-SF).



5. Zielsetzung

Ziele der Maßnahme sind:

  • Klärung, ob trotz der erworbenen Beeinträchtigung die Perspektive eines mittleren Schulabschlusses bzw. die Erlangung des schulischen Teils der Fachhochschulreife oder der Allgemeinen Hochschulreife realistisch ist
  • Fortführung der pflegerischen und therapeutischen Rehabilitation zum Wiederer-werb von alltagsrelevanten Fähigkeiten
  • Behinderungs- bzw. Traumabewältigung
  • Erreichen einer möglichst selbständigen Lebensführung
  • Entwicklung einer beruflichen Perspektive
  • Entwicklung einer Wohnperspektive

Durch eine wertschätzende und ressourcenorientierte Grundhaltung wird mit dem Betroffenen ein individueller Teilhabeplan erstellt.


6. Zielgruppe

Die Zielgruppe umfasst Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer erworbenen neurologischen Beeinträchtigung (z.B. nach einem Unfall), die vorher an einer Realschule, einer Gesamtschule oder einem Gymnasium den mittleren Schulabschluss oder das Abitur angestrebt haben.    

7. Ablauf der Rehaanschlussmaßnahme und Perspektiventwicklung

7.1. Phase: Aufnehmen

AFS-Konzepts zum Reha-Anschluss - Aufnahme

7.2. Phase: Lernen in den Bereichen Schulen, Wohnen und Alltag

7.2.1 Lernen im Bereich Schule (LVR-Anna-Freud-Schule)

Schüler, die aufgrund einer erworbenen Schädigung eine Rehabilitations-Maßnahme be-sucht haben, mussten dadurch ihre vorgesehene Schullaufbahn gezwungenermaßen unterbrechen. Die bisherige Schullaufbahnprognose ist damit nicht sichergestellt und muss erneut überprüft werden.
Zunächst findet eine Perspektivannahme auf dem Hintergrund der bisherigen Schullauflahnprognose, Unfallanamnese und den aktuellen Einschätzungen, z.B. durch die Klinikschule statt. Anschließend wird eine Zielformulierung mit dem Schüler und seinen Eltern vorgenommen, wobei eine Tendenz zur Abschluss- oder Anschlussorientierung festgelegt wird. Es beginnt eine Orientierungsphase mit intensiver pflegerischer, therapeutischer und ggf. psychodiagnostischer Begleitung/Berufsberatung, bei Internatsschülern wird ein regelmäßiger Austausch mit dem Internat geführt. Eine Entscheidung für eine Abschluss- oder Anschlussorientierung sollte nach einem halben Jahr (Richtwert) getroffen sein.
Wird eine Abschlussorientierung angestrebt, wird nach den regulären Kriterien zur Schullaufbahnbewertung entschieden:

  • Der Schüler kann den Abschluss an der LVR-Anna-Freud-Schule erwerben (Zuständigkeit liegt beim Klassen-/Stufenteam)
  • Der Schüler wird an eine andere (wohnortnahe) Schule übergeleitet
  • Es findet eine Rückbeschulung an die Heimatschule statt

Wird für den Schüler eine Anschlussorientierung festgesetzt, rückt das Ziel des Abschlusses in den Hintergrund und die alternative Perspektivfindung sowie Aspekte der therapeutischen Versorgung und der Erwerb von Alltagskompetenzen in den Vordergrund. Dazu ist eine Abweichung vom regulären Stundenplan und eine Schaffung einer individuellen Gestaltung des Schulablaufes möglich z.B.

  • Stundenweise Beschulung in speziellen Fächern, dazwischen Ruhe- oder Liegezeiten bzw. Schwerpunkt auf therapeutischen Maßnahmen
  • Intensivierte Angebote zur Behinderungsverarbeitung
  • Hilfsmittelversorgung/Selbstständigkeitstraining zur Förderung der selbständigen Lebensalltagsbewältigung (Schwerpunkt Therapie-und Pflegeabteilung)
  • Stärkung der Grundarbeitsfähigkeiten (Pünktlichkeit, Handlungsplanung, Orientie-rung Erlangen/Wiedererlangen von Lernfähigkeiten)
  • ggf. Beschulung nach Interessens- und Leistungsmöglichkeiten
  • Förderung von Basiskompetenzen v.a. in Rechnen, Lesen, Schreiben
  • Training von assistiven Technologien (z.B. Dragon Dictate) zur sprachlichen Verständigung/Kommunikation bei Verlust sprachlicher Fähigkeiten
  • Förderung von Sozialkompetenzen, um Möglichkeiten des sozialen Anschlusses zu erleichtern

Wenn der Schüler über die Maßnahmen der Anschlussorientierung soweit gefördert wird, dass eine Abschlussfähigkeit realistisch erscheint, wird diese erneut verfolgt. Ansonsten wird er in eine andere Maßnahme/Institution in Richtung Berufsorientierung übergeleitet .
Beispiele können sein:

  • PIA (Prozess infdividuelle Arbeitsförderung, Angebot der Kinder- und Familienhilfen)
  • Berufsförderungswerk der Diakonie Michaelshoven gGmbH
  • Assesment-Center
  • Berufsbildungswerke

 

AFS-Konzepts zum Reha-Anschluss - Maßnahmen

 

7.2.2 Lernen im Bereich Wohnen (Dietrich Bonhoeffer-Haus)

In dieser Phase werden aufgrund des individuellen Teilhabeplanes des Schülers Förderziele im Dialog mit Fürsorgeberechtigten/Eltern festgelegt.

Es findet ein regelmäßiger Austausch mit der LVR-Anna-Freud-Schule über die Verlaufsentwicklung des Schülers statt und ggf. werden nötige Anpassungen in der Förder- und Entwicklungsplanung gemeinsam vorgenommen.

Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus können durch ein flexibles Hilfesystem (5-Tage-Bedarf-vollstationärer Bedarf mit Tagesstruktur) die unterschiedlichen Bedarfe der Zielgruppe
sichergestellt werden:

  • Schrittweise Einstieg in den Schulalltag
  • Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen und Beziehungen
  • Anleitung zur Selbständigkeit im lebenspraktischen Bereich, wie z.B. Körperpflege, Ernährung, Umgang mit Kleidung, Erledigung von Einkäufen, Umgang mit Geld, Instandhaltung und Pflege des Wohnraums, Orientierung im Straßenverkehr usw.
  • Hinführung zur Übernahme von, bzw. Beteiligung an hauswirtschaftlichen Aufgaben und Tätigkeiten
  • Unterstützung bei der Strukturierung des Tages, der Woche und des Jahres
  • Unterstützung und Förderung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
  • Begleitung und Unterstützung der Bedarfe im Bereich Gesundheit und Pflege

7.2.3 Lernen im Bereich Individueller Arbeitsförderung (PIA)

Die Individuelle Arbeitsförderung ist ein Angebot der Kinder- und Familienhilfen gGmbH.
Durch gezielte Hilfestellungen bei der unmittelbaren Alltagsbewältigung bis hin zu einer selbstbestimmten Lebens- und Berufsplanentwicklung sollen die Eingliederung in die Gesellschaft gefördert und die beruflichen Integrationschancen verbessert werden.

 

7.3. Phase: Abschließen

7.3.1 Schulische Perspektive

Regulärer Schulabschluss

Wenn die begleitenden Lehrpersonen der LVR-Anna-Freud-Schule in einer Konferenz die Feststellung treffen, dass die Perspektive eines mittleren Schulabschlusses bzw. die Erlangung des Abiturs realistisch ist, dann verbleibt der Schüler an der LVR-Anna-Freud-Schule und im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Übergangsmanagement bei Nichterreichen eines regulären Schulabschlusses

Wenn die begleitenden Lehrpersonen der LVR-Anna-Freud-Schule feststellen, dass die Perspektive eines mittleren Schulabschlusses bzw. die Erlangung des Abiturs nicht möglich ist, dann beginnen Maßnahmen, eine alternative Zukunftsperspektive zu entwickeln.

Die LVR-Anna-Freud-Schule stellt dem betroffenen Schüler ein Berichtszeugnis aus, das Aussagen über die kognitiven und außerschulischen Fähigkeiten trifft.

7.3.2 Berufliche Perspektive

Die LVR-Anna-Freud-Schule bietet umfangreiche Konzepte in der Berufsorientierung. Den Schülern eröffnet sich in den Sekundarstufen I und II ein breites Angebot zur Vorbereitung auf das bevorstehende Berufsleben.

Durch eine enge Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen wie dem WDR, den Kölner Verkehrsbetrieben, der ERGO-Versicherungsgruppe, dem Landschaftsverband Rheinland, der Galeria Kaufhof GmbH oder öffentlichen Einrichtungen wie der Agentur für Arbeit oder dem Institut der deutschen Wirtschaft ist eine individuelle berufliche Perspektivfindung möglich.

Die Diakonie Michaelshoven unterstützt mit ihrem Netzwerk diese Perspektivfindung:

  • Berufsförderungswerk Köln gGmbH
  • Heilpädagogische und tagesstrukturierende Maßnahme: Prozess Individuelle Ar-beitsförderung (PIA)
  • Kompetenzbereich Unterstützte Kommunikation

 

7.3.3 Wohnperspektive

Die Schüler wohnen während der Reha-Anschlussmaßnahme im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Hürth. Im Rahmen des Verselbständigungskonzeptes können die Schüler in ihrem letzten Schuljahr in einer Trainingswohnung wohnen. Dort werden die Schüler auf die Entwicklung einer Wohnperspektive vorbereitet. Die Verweildauer in der Trainingswohnung kann ggf. auch nach Beendigung der Schule als Übergang in eine eigene Wohnung verlängert werden. Bei der Wohnungssuche und der Erstellung des individuellen Hilfeplanes für den Kostenträger werden die Schüler unterstützt. Sollte der Hilfebedarf bezüglich einer stationär betreuten Wohnform im Sozialraum vorliegen, so können Wohngruppen der Diakonie Michaelshoven angefragt werden.

 

7.3.4 Versorgung nach der Reha-Anschlussmaßnahme

Analog zum gemeinsamen "Runden Tisch" der Phase 1 "Aufnehmen"(siehe Seite 8) findet ein abschließendes Gespräch aller Beteiligten statt. Diese greifen die zuvor entwickelten Zukunftsperspektiven auf und erstellen gemeinsam mit dem Betroffenen, ggf. mit den Eltern, Fürsorgeberechtigten einen individuellen Teilhabeplan, in dem folgende Aspekte geklärt werden:

  • Klärung des zukünftigen Sozialraumes
  • Entwicklung von Perspektiven und konkrete Maßnahmen zur weiteren Beschulung,ggf. zur Ausbildung, zu einer Erwerbstätigkeit
  • Entwicklung einer Wohnperspektive
  • Klärung, welche Kostenträger für die Teilhabemaßnahmen zuständig sind

 

8. Eltern und Angehörigenarbeit

Ausgehend von der persönlichen Situation der Eltern und Angehörigen,die während der gesamten Maßnahme wichtige Bezugspersonen bleiben, ist die Zusammenarbeit mit ihnen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Außerdem werden ggf. Sorgeberechtigten/Vormünder des Kindes/Jugendlichen bei der Entwicklung des individuellen Teilhabeplanes mit einbezogen.
Die Zusammenarbeit mit Eltern und Angehörigen unterstützt das bestehende Beziehungsgefüge und bezieht sich auf die Teilhabe an der Entwicklung des Jugendlichen sowie situationsbezogene Einbeziehung in die Erziehungsverantwortung.

Zu den Inhalten der Familien- und Angehörigenarbeit zählen:

  • Gespräche im Aufnahmeprozess und Beteiligung bei der Erstellung des Teilhabeplanes
  • Beratung und Unterstützung bei der Überleitung in die Phase F bzw. in die ambu-lante Versorgung
  • Beratung und Unterstützung beim nahtlosen Übergang in andere Versorgungssysteme (Kostenträger für Anschlussperspektiven)
  • Beratung in Krisensituationen und bei Konflikten

 

9. Beteiligung weiterer Institutionen, Fachleute, Kooperationspartner

Bezüglich der jeweiligen Teilhabepläne und der daraus resultierenden Fragestellungen arbeitet das Fallmanagementteam mit folgenden Kooperationspartnern zusammen:

  • Psychosozialer Dienst der Kinder- und Familienhilfen der Diakonie Michaelshoven
  • Weiteres Netzwerk der Diakonie Michaelshoven
  • Integrationsfachdienst des Erftkreises und der Stadt Köln
  • Team Inklusion Jobcenter Rhein-Erft
  • ABN@SALO, die ambulante berufliche Neurorehabilitation für Menschen mit einer Hirnschädigung Köln
  • Zentrum für selbstbestimmtes Leben Köln
  • Wohnungsbaugesellschaften im Sozialraum (GWG Erftkreis und WSG) und
  • Kompetenzzentrum Behinderung,Studium und Beruf- kombabb NRW in Bonn
  • Assistenzverein Hürth
  • Die AssistenzProfis UG Köln
  • Unabhängige Teilhabeberatung
  • Hannelore-Kohl-Stiftung

 

10. Schlusswort

Wie schon zu Beginn erwähnt ist eine erworbene Beeinträchtigung ein Ereignis, das bei den betroffenen Menschen professionelle Behandlung, Beratung und Unterstützung notwendig macht.

Nur wenn die Übergänge der einzelnen Rehabilitationsphasen nahtlos gestaltet werden können und somit Brüche der Rehabilitation vermieden werden, kann der Weg zu einer Teilhabe und Teilgabe am gesellschaftlichen Leben und zu einer realistischen Inklusion in die Arbeitswelt führen.

Wir hoffen, dass sich Menschen mit einer erworbenen neurologischen Beeinträchtigung und deren Angehörige durch das vorliegende Konzept angesprochen fühlen und freuen uns, wenn Sie bei offen stehenden Fragen und Interesse Kontakt zu uns aufnehmen.

 

 

Weiterführende Links:
 
 

 

Text: AFS
Bildcredits: AFS

 

 

 

 

 

Koordination im Bereich der Aufnahme & Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit erworbenen neurologischen Beeinträchtigungen


Zuständig: Fr. Moertter (pädagogischer Bereich), Fr. Dipl.-Psych. Ebert (neuropsychologischer Bereich)

Unsere Broschüre:

Deckblatt des AFS-Konzepts zum Reha-Anschlus

Schädelhirnverletzung – und jetzt?

Wir entwickeln eine Perspektive - für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer erworbenen neurologischen Beein-trächtigung in der LVR-Anna-Freud-Schule und im Dietrich-Bonhoeffer-Haus nach Abschluss einer medizinischen Rehabilitation. Weiterlesen...

Die Broschüre zum Download (PDF; 476 kB)

 

Aufnahme und Beschulung:

•    Inhaltliche Ausrichtung und Begleitung des Aufnahmeprozesses bis zur endgültigen Aufnahme/Ablehnung von Schülerinnen und Schülern mit neurologisch erworbenen Beeinträchtigungen

•    Dokumentation erfolgter schulischer Maßnahmen und Fortschreibung (Frau Moertter),
Dokumentation erfolgter rehabilitativer Maßnahmen und Fortschreibung (Frau Ebert)

•    Einschätzung unterrichtlicher, therapeutischer und pflegerischer Erfordernisse und Rahmenbedingungen

Enge Zusammenarbeit (Beratung, Abstimmung und konzeptuelle Entwicklung) mit:

•    Schulleitung und Abteilungskoordinatoren
•    Aufnahmeteam / Leitung der Schüleraufnahme (Herr Ludwig)
•    Leitung der Pflege-und Therapieabteilung  (Frau Szabo, Frau Waltermann)
•    Schulärztin
•    Berufsberatung (Frau Schütz, Frau Schmitz)

Kontakt zu/Ansprechpartner u.a. für:

•    Internat
•    außerschulische Einrichtungen (z.B. P.I.A.)
•    Klinikschulen
•    Neurologische Behandlungszentren / Rehabilitationseinrichtungen
•    ggf. neurologische Arztpraxen und Kliniken


Weiterführende Links:

•    Hannelore-Kohl-Stiftung: Hilfe für schädelhirnverletzte Menschen und ihre Angehörigen

 

 

 

 

 

 

 

In der LVR-Anna-Freud-Schule gibt es Beratungsmöglichkeiten zu folgenden Themen:

 

- intern:

- extern:

- Aufnahme & Beschulung:

 

 

 

 

Interdisziplinäre Beratungsangebote

Die LVR-Anna-Freud-Schule bietet aufgrund ihres besonderen auch inklusiven Profils als Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung SI und SII ein vielfältiges interdisziplinäres Beratungsangebot an.

Angesprochen sind hier alle an Schule Interessierten, insbesondere Lehrende, die an den Universitäten die 1. Phase der Lehrerausbildung verantworten und betreuen, Lehrerausbildungsseminare, Fachleitungen, Schulen, die auf den Weg zur Inklusion sind, Mitarbeitende aus anderen Förderschulen. Ebenso steht die LVR-Anna-Freud-Schule beratend zur Verfügung für alle, die in der nachschulischen Berufsausbildung tätig sind.
Beratungsangebote gibt es z.B. für die folgenden Bereiche:

•    Unterrichtsgestaltung
•    Nachteilsausgleich
•    Spezielle sonderpädagogische Fördermaßnahmen
•    Entwicklungs- und Förderplanung
•    Unterstützte Kommunikation
•    Pädagogische Physio-, Ergo- und Logopädie und Pflegeaspekte
•    Spezielle Berufs- und Studienberatung

Bei Hospitations- und Beratungsabfragen wenden Sie sich bitte über das Sekretariat an die Schulleitung.

Kontakt: 0221/5540460 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

In der LVR-Anna-Freud-Schule gibt es Beratungsmöglichkeiten zu folgenden Themen:

 

- intern:

- extern:

- Aufnahme & Beschulung:

 

 

 

Freunde, Förderer, Partner und Sponsoren der Anna Freud Schule

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Förderschwerpunkt
körperliche und motorische
Entwicklung (SI + SII)

Regelschulberatung

Landesweite Beratungsstelle für inklusiv unterrichtende Schulen im Bildungsbereich Sek I und Sek II
Ausführliche Informationen >

Freiwilliges Soziales Jahr
Bundesfreiwilligendienst

an der AFS
Infos zur Arbeit an der AFS >